Herr Autismus

Ja dieser Herr Autismus treibt mich manchmal in den absoluten Wahnsinn.

Wenn man einmal, ganz objektiv betrachtet, sich meinen Alltag ansieht, hat der hier alles im Griff. Er bestimmt einfach meinen Alltag und den der Familie. Er sagt was geht und was nicht, wie es gehen soll und nach welchen Regeln. Und es nervt. Es nervt unfassbar. Manchmal ist er auch ganz nett und bringt mich zum Lachen.

Lieber Herr Autismus, du nervst! Aber manchmal bist du auch ganz nett.

Ich weiß einfach nicht wie ich es beschreiben soll. Es ist momentan etwas wie Bungeejumping. Der Wille es zu tun, das seltsame GefĂŒhl im Bauch vor dem Absprung, der Anblick der Schlucht unter einem und die unfassbare Angst vor dem nĂ€chsten Schritt.

Zwar bin ich noch nie Bungee gesprungen aber so stelle ich es mir vor. Ein falscher Satz, eine falsche Entscheidung, der falsche Zeitpunkt oder die falsche Emotion und schon fĂ€llt man direkt auf den Abgrund zu. Ohne Sicherung! Und man fĂ€llt und fĂ€llt und fĂ€llt. Genau so fĂŒhle ich mich seit Monaten. Egal was passiert, du fliegst auf die Fresse und es wird weh tun! TatsĂ€chlich habe ich zum GlĂŒck immer ein Sprungtuch inpetto in Form von ganz tollen Freunden und Familie ohne die ich völlig ungesichert fallen wĂŒrde. Denn macht es nicht eine gute Freundschaft und Familie aus, dass man auffĂ€ngt auch wenn man nicht versteht warum gesprungen wurde?

Neben der unfassbaren anstrengenden Zeit der Umstellung von Kiga auf Schule gibt es trotzdem Menschen, die dein Sicherheitsgurt ansĂ€gen um selber nicht springen zu mĂŒssen. Aber die haben leider nicht mit meinem Sprungtuch und dem immer noch vorhandenen Willen fĂŒr Gerechtigkeit gerechnet. Mit so einem GlĂŒckskind ist es manchmal nicht leicht. Nicht weil ein GlĂŒckskind vorhanden ist, sondern weil es Menschen gibt, die glauben das sie was Besseres sind und glauben, dass man es mit genau den Familien irgendwie machen kann. Aber nicht mit uns.

Momentan fliegt der Schuldrache ĂŒber uns und wir wissen nicht wie wir ihn zĂ€hmen können. Streicheln hilft, ganz besonders wenn der Drachenreiter Nemo dabei ist.

Das Problem hierbei ist, dass der Drache eine Tarnkappe trÀgt. Nur wenige erkennen ihn, wenn er im Anflug ist. Leider selten die Menschen, die es sehen sollten, damit sie wissen wie Herr Autismus funktioniert.

Das ist unser Dilemma seit Jahren. Die Tarnkappe ist so gut fĂŒr die Gesellschaft aber Gift fĂŒr die Seele.

Ich sehe den Drachen und ich sehe mein Kind. Wie er verzweifelt nach Halt sucht, weil er es nicht aushalten kann. Wie er sich Schmerzen zufĂŒgt, ganz unauffĂ€llig, damit es niemand sieht. Warum? Damit er es aushalten kann. Sich fokussieren kann um unauffĂ€llig zu sein. Ich sage ihm jeden Tag: du musst das nicht aushalten wenn es nicht geht. Du darfst sein wie du bist! Das ist total okay! Denn genau so bist du perfekt!

Wir blicken aber nach vorne… es kann nur besser werden.

In der Schule wird viel zugelassen um dem KrĂŒmel ,samt Nemo und Drachen, regulĂ€r zu beschulen.

Dennoch ist es Versuch und Irrtum. Mal kann er es gut annehmen und manchmal eben nicht. Es ist wie die passende Medizin finden.

Und wenn dann nichts mehr geht, ist Nemo da oder sein Drachenstreichler ❀ auch außerhalb der GeschĂ€ftszeiten â˜șïžđŸ˜‰

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