Akzeptanz und Annahme

Als Mutter einer nicht-autistischen Tochter denke ich nicht viel darüber nach wie der Tag verlaufen wird. Termine werden wahr genommen und alles ist gut. Sie freut sich wahnsinnig wenn spontan Besuch kommt und ist neugierig wenn sie ihn nicht kennt. Alles ist gut.

Sie fällt auf die Knie und ich tröste sie. Alles ist gut.

Ihr Lieblingsessen ist aus, ich vertröste sie auf den nächsten Einkauf. Alles ist gut.

Sie möchte eine Freundin besuchen. Ich bringe sie hin. Alles ist gut.

Ein Hubschrauber fliegt tief über unser Haus. Sie schaut hoch, kommt zu mir. Alles ist gut.

Sie möchte eine Scheibe Wurst an der Fleischtheke. Sie spricht die Verkäuferin an und alles ist gut.

So kann es unendlich weiter gehen.

Als Mutter eines Kindes mit Autismus, kann ich nicht einfach in den Tag leben. Termine müssten durchdacht, geplant und besprochen werden.

Spontaner Besuch ist möglich, aber nichts ist dann gut. Er versteckt sich. Er läuft weg. Er kann es nicht aushalten.

Er fällt auf die Knie, alles kann gut sein oder eben nicht. Er versteckt sich. Er läuft weg. Er kann es nicht aushalten.

Sein Lieblingsessen ist aus. Ich vertröste ihn auf den nächsten Einkauf. Alles ist gut. Oder eben nicht. Er versteckt sich. Er läuft weg. Er kann es nicht aushalten.

Er möchte einen Freund besuchen. Ich bringe ihn hin und fahre wieder. Alles ist gut. Oder auch nicht. Er versteckt sich. Er läuft weg. Er kann es nicht aushalten. Ich kann nicht fahren.

Ein Hubschrauber fliegt tief über das Haus. Er hält sich die Ohren zu. Alles ist gut. Oder er versteckt sich. Er läuft weg. Er kann es nicht aushalten.

Er möchte eine Scheibe Wurst an der Fleischtheke. Er fragt die Verkäuferin und alles ist gut. Oder auch nicht. Er kann es einfach nicht.

So kann auch das unendlich weiter beschrieben werden.

Nur mit dem Unterschied, dass Teil 1 weniger mütterliche Energie kostet als Teil 2.

Und das ist okay. Okay, weil meine Kinder für mich unfassbar perfekt sind. Beide. So wie sie sind. Ich habe sie auf die Welt gebracht und ich werde bis zu meinem letzten Atemzug alles für euch geben, damit ihr zu glücklichen Menschen werdet und ihr immer ein Lächeln im Gesicht habt, wenn ihr an eure Kindheit zurück denkt.

Ich werde euch versuchen stark zu machen, um den Spott anderer Menschen gelassen zu tragen oder euch in den Arm nehmen wenn es nicht mehr auszuhalten ist.

All dass und noch viel mehr möchte ich euch geben. Jede Mama will das. Aber dann gibt es die Menschen die einen ausbremsen. Die den kleinen Rest an Energie den man als Mama hat, mit Füßen treten. Weil sie nicht mehr wissen, was es heißt, 4 kleine Menschenbeine standhaft zu machen. Die einem Kind das gesellschaftlich nicht „perfekt“ ist, nicht fördern oder akzeptieren wie es ist. Pädagogen, denen einfach der Blick fürs Detail fehlt und die absolute IST Annahme hinnehmen und nie auf ein Soll hinarbeiten. Es ist einfach so traurig und frustrierend. Ich bin nicht nur Mama, ich bin auch Pädagogin. Ich versuche auf der Arbeit immer 100% zugeben, egal wie voll mein Akku ist. Ich nehme die Menschen an, egal wie sie sind. Denn auch sie sind 100% perfekt.

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